Leistungen für Kinder

Für Kinder

Wir behandeln Kinder in den Bereichen Sprache, Sprechen,
Stimme und Schlucken bei :

  • Sprachentwicklung und Spracherwerb
  • Aussprache/Phonologie
  • Myofunktionelle Entwicklung
    (vorbereitend oder begleitend zur kieferorthopädischen Behandlung)
  • Sprachliche Probleme bei körperlichen oder geistigen Behinderungen, z.B. Trisomie 21
  • Redeflussstörungen wie Stottern, Poltern
  • Stimmstörungen
  • Schriftspracherwerb
  • Hörstörungen


Funktionsstörungen bei Kindern:

Es werden insgesamt vier Arten der Aussprachestörungen unterschieden.

1. Aussprachestörungen aufgrund organischer Ursachen
Bei dieser Art der Aussprachestörungen liegt ein direkter Zusammenhang mit organischen Störungen vor. Dazu gehören:
a) Zerebralparesen (kindliche Dysarthrie)
b) Syndrome (z.B. Down-Syndrom)
c) Spaltbildungen (z.B. Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte)
d) angeborene oder frühkindlich erworbene Hörstörungen
e) verschiedene Formen geistiger Behinderung
f) verbale Entwicklungsdyspraxie

Diese Ursachen führen zu Einschränkungen der rezeptiven und expressiven sprachlichen Fähigkeiten des Kindes. Eine frühe logopädische Behandlung ist für die meisten dieser betroffenen Kinder sehr sinnvoll und notwendig.

Die verbale Entwicklungsdyspraxie wird den neurologischen Störungen zugeordnet und gehört deshalb auch zu den Aussprachestörungen organischer Ursache. Sie ist sehr selten (ca. 3-5% aller Kinder mit Aussprachestörungen).

2. Aussprachestörungen aufgrund funktioneller Ursachen
Diese Störungen haben keinen eindeutigen Zusammenhang mit einer organischen Störung. In den meisten Fällen liegt keine klare medizinische Diagnose vor, die die Aussprachestörung erklären kann. Jede funktionell verursachte Aussprachestörung kann isoliert oder im Rahmen einer Sprachentwicklungsstörung auftreten.

Es lassen sich insgesamt zwei verschiedene Untergruppen beschreiben:
a) Phonetische Störung / Artikulationsstörung
b) Phonologische Störung
I. Phonologische Verzögerung
II. konsequente Phonologische Störung
III. inkonsequente Phonologische Störung

a) Phonetische Störung - reine Artikulationsstörung
Diese Störung bezieht sich auf bestimmte fehlgebildete Laute. Vor allem sind die Zischlaute "s" ("Lispeln") und "sch" betroffen. Das Kind ist aufgrund einer nicht ausreichend entwickelten Spannung der Artikulationsmuskulatur oder eines fehlerhaft erworbenen Sprechmusters nicht in der Lage, die Laute korrekt zu bilden. Dadurch kommt es zu einer veränderten Lautbildung.

Bei der Behandlung von Artikulationstörungen muss in der Regel der Muskeltonus der Artikulatoren aufgebaut und die Bildung des betreffenden Lautes schrittweise aufgebaut werden.

b) Phonologische Störungen

Phonologische Störungen beziehen sich nicht auf die Aussprachefähigkeit einzelner Laute (Phonetische Störung), sondern auf den Erwerb des Lautsystems der deutschen Sprache.

I. Phonologische Verzögerung - zeitlich verzögerte Ausspracheentwicklung
Kinder mit einer Phonologischen Verzögerung zeigen lautliche Veränderungen mindestens sechs Monate länger als Kinder mit einer normal ablaufenden Sprachentwicklung. Die Veränderungen weichen nicht vom normalen Spracherwerb ab. Es kommt beispielsweise zu Vorverlagerungen der Laute "k, g, ng" zu "t, d, n" und von /sch, ch" zu "s, z" (z.B. Kiste – "Tiste", Schule – "Sule"), zu reduzierten Konsonantenverbindungen (z.B. Brille – "Bille", Schmetterling – "Metterling") und zu glottalen Ersetzungen von "r" durch "h".
Als Ursache für die Phonologische Verzögerung werden z.B. Paukenergüsse angenommen, die die Sprachentwicklung zeitweilig bremsen.

II. Konsequente Phonologische Störung – nicht regelrechte Ausspracheentwicklung
Diese Kinder zeigen mindestens eine phonologische Abweichung, die nicht in der normal ablaufenden Sprachentwicklung vorkommt und/oder länger als sechs Monate verzögert auftritt.
Diese Kinder zeigen häufig auch im Gegensatz zu den Kindern mit einer Phonologischen Verzögerung deutliche Probleme in der Verarbeitung und Speicherung des gehörten Lautmaterials. Lautkontraste werden nicht oder weniger genau wahrgenommen.

III. Inkonsequente Phonologische Störung – verschiedene Aussprache für identische Wörter
Diese Störung ist die schwerste, allerdings selten auftretende Form der funktionellen Aussprachestörungen.
Ein und dasselbe Wort wird bei dieser Störung in häufig wechselnder Weise ausgesprochen (z.B. Schrank – "Rant, Schank, Rank").
Diese Kinder haben Schwierigkeiten, die Laute, die sie in einem Wort hören, in die richtige Reihenfolge zu bringen und abzuspeichern.

Eine Störung der Grammatik wird in der Regel nicht isoliert auftreten, sondern in Verbindung mit Beeinträchtigungen in weiteren sprachlichen Bereichen (Phonologie, Wortschatz) einhergehen.

Zu Beginn der Sprachproduktion ist das Ausbleiben von Mehrwortsätzen (Nomen + Verb, Nomen + Nomen etc.) ein Anzeichen für einen beginnenden Dysgrammatismus.

Im weiteren Verlauf lassen die Kinder z.B. die Artikel aus, setzen die Tätigkeitswörter an das Satzende, setzen die Tätigkeitswörter nicht in den korrekten Bezug zu der handelnden Person und bilden keine oder nur sehr einfach Nebensätze.

Grammatikstörungen können erblich bedingt sein (familiäre Häufung). Daneben kann die Ursache auch in einem Hörverarbeitungsdefizit liegen.

Bei einer Myofunktionellen Störung liegt ein falsches Bewegungsmuster von Zunge und Lippen beim Schlucken vor.
Die Zunge drückt beim Schlucken vor oder zwischen die Front- oder Seitenzähne. Die ungünstigen Muskelspannungszustände im Mundbereich führen häufig dazu, dass die Zunge die physiologisch korrekte Ruhelageposition nicht einhalten kann.

Myofunktionellen Störungen sind i.d.R. durch eine schlaffe Mundmuskulatur verursacht. Daraus können sich weitere Beeinträchtigungen ergeben, die sich z.T. gegenseitig bedingen:
a. eingeschränkter Mundschluss (Mundatmung, Schnarchen, Speichelfluss)
b. Fehlstellungen von Zähnen
c. Artikulationsschwierigkeiten ("Lispeln", Deutlichkeit)
d. häufiges Auftreten von Erkältungskrankheiten

In vielen Fällen wird eine Überweisung durch einen Kieferorthopäden veranlasst, weil eine effektive Zahnklammer-Behandlung erst beginnen kann, wenn die Myofunktionelle Störung behoben ist.

Die Therapie der Myofunktionellen Störung ist für Kinder ab vier Jahren durchaus möglich. Häufig weist ein fehlender Mundschluss oder starker Speichelfluss auf die Notwendigkeit einer Behandlung in diesem frühen Alter hin.

Eine Sprachentwicklungsstörung umfasst in der Regel Beeinträchtigungen in den sprachlichen Bereichen des Wortschatzes, der Grammatik und der Aussprache.

Diese Störung ist oft nicht auf eine eindeutige Ursache zurückzuführen, sondern scheint häufig durch eine Kombination von verschiedenen Faktoren verursacht. Oft spielen länger andauernde Hörstörungen in den ersten Lebensjahren eine Rolle. Daneben kann auch eine allgemeine Entwicklungsstörung die Sprachentwicklung einschränken.

Von einer "Spezifischen Sprachentwicklungsstörung" spricht man, wenn folgende Faktoren als primäre Störungsursache ausgeschlossen werden können:

  • sensorische Schädigungen
  • schwerwiegende neurologische Schädigungen
  • emotionale Störungen
  • kognitive Schädigungen (z.B. geistige Behinderungen)

Die Beobachtung der familiären Häufung dieser Störung legt die Vermutung nah, dass die Disposition zu der "Spezifischen Sprachentwicklungstörung" vererbt wird.

Aus diesem Störungsbild resultieren häufig Lese-Rechtschreibschwächen. Außerdem können diese Kinder im weiteren Verlauf eine eingeschränkte Fähigkeit, Sprache variabel und flexibel anzuwenden, entwickeln. In der Folge entstehen Probleme in der Schule, insbesondere im Deutschunterricht.
Die Behandlungskonzepte von Christina Kauschke & Julia Siegmüller, Annette V. Fox und Edith Schlag bilden die Grundlage unserer Behandlung von Sprachentwicklungsstörungen.

Stottern ist eine Unterbrechung im Redefluß. Diese Unterbrechungen kommen zustande durch:

  • Wiederholungen (Lei ,Lei, Leiter; d-d-d-der)
  • Dehnungen (Llllleiter)
  • Blockaden vor oder während des Sprechens

Viele Therapeuten haben unabhängig voneinander festgestellt, dass a) die Art und Weise der Sprechunflüssigkeiten und b) die Häufigkeit der Stottersymptome sich von den sogenannten entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten, die im Alter von 3-5 Jahren auftreten können und sich nach kurzer Zeit von alleine verlieren, unterscheiden.

Diese beiden Parameter werden zur Überprüfung herangezogen, um die Frage zu beantworten, ob bei dem Kind ein Stottern vorliegt und es therapeutische Unterstützung braucht.

Häufig treten beim Stottern folgende Begleitsymptome auf:

  • Mitbewegungen im Kopfbereich (z.B. Augenblinzeln. Lippenpressen)
  • Mitbewegungen anderer Körperteile (z.B. Fäuste ballen)
  • Vermeidung von bestimmten Wörtern oder Situationen
  • angestrengte Atmung
  • gepresstes Sprechen
  • erhöhte Körperspannung
  • Minderung der Sprechfreude

Die Ursachen für das Stottern sind vielschichtig und komplex, so dass eine monokausal psychische Ursache in der Regel ausgeschlossen werden kann. Es wird in der Forschung davon ausgegangen, dass genetische Veranlagungen zum Stottern führen können (familiäre Häufung).

Definition:
Poltern ist eine sprachliche Gestaltungsschwäche mit überstürzter, schneller und somit undeutlicher Artikulation.

Symptome:
Laute und Silben werden entweder ineinander gezogen (Verschmelzung), ausgelassen oder in ihrer Reihenfolge umgestellt.
Satzteile sind häufig unvollständig oder werden vertauscht.

Oft ist ein Polterer für seinen Gesprächspartner unverständlich, gegenüber einem Stotterer empfindet er jedoch keinen Leidensdruck und zeigt keine Sprechanstrengung.

Außer den sprachlichen Symptomen gehören auch nicht-sprachliche Symptome zum Erscheinungsbild eines Polterers: hierzu können charakterliche Merkmale wie Explosivität, Unordentlichkeit oder Extrovertiertheit, aber auch Wahrnehmungsstörungen oder Beeinträchtigungen in der Konzentration gehören.

Als häufigste Ursache des Polterns wird die erbliche Disposition diskutiert, insgesamt sind viermal soviel Jungen wie Mädchen betroffen.

Therapie:
Die Therapie von Kindern (ab 4 Jahre) schließt eine grundlegende Verdeutlichung des Unterschiedes von "schnell und langsam" durch Spiele und Bewegung ein, bevor an sprachlichen Elementen wie Rhythmus, Betonung, Sprechtempo gearbeitet

Bei einer zentral-auditiven Verarbeitungsstörung (auch auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung) ist die Aufbereitung und Weiterleitung akustischer Signale (Geräusche und Sprache ) an das Gehirn gestört. Hierbei ist das Hörorgan intakt.

Typische Ursachen sind chronische oder häufige Mittelohrentzündungen sowie Paukenergüsse vor allem im frühen Kindesalter.

Eine umfassende Testung des Hörorgans sollte bei Verdacht auf eine zentral-auditive Hörverarbeitungsstörung durch einen spezialisierten HNO-Arzt oder Pädaudiologen erfolgen.

Verschiedene Störungen von Teilfunktionen können kombiniert oder isoliert auftreten:

  • Unterscheidung von Nutz- und Störschall (Hintergrundgeräusche)
  • Differenzierung von ähnlich klingenden Lauten, Lautverbindungen und Wörtern
  • Richtungshören
  • Auditive Aufmerksamkeit (Zuhören)
  • Analyse und Synthese von akustischen Elementen ( z.B. Erkennen von Anlauten)
  • Speicherung von akustischen Signalen
    (Merkfähigkeit z.B. von Liedern und Gedichten)

Je nach Schweregrad der Störung haben diese Kinder auch häufig Probleme beim Erwerb des Lesens und Schreibens; die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) ist erhöht.

Die Behandlung der Lese-Rechtschreibschwäche ist im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen nicht enthalten. In Einzelfällen übernimmt das zuständige Jugendamt gemäß § 35a. SGB VIII die Behandlungskosten.

Bei Kindern, die unter Stimmstörungen leiden, klingt die Stimme tiefer oder höher als bei anderen Kindern, rau, heiser, belegt, tonlos oder flüsternd. Das Kind spricht u. U. mit hörbarer, schnappender Atmung und zeigt evtl. folgende Verhaltensmuster:

  • schreit viel
  • ist ständig lauter als andere Kinder
  • kann nicht mehr laut rufen

Wenn stimmliche Auffälligkeiten über einen längeren Zeitraum bestehen (z.B. drei Wochen Heiserkeit), ist es ratsam, das Kind bei einem HNO-Arzt vorzustellen. Er kann abklären, ob durch eine behinderte Nasenatmung häufig Erkältungen auftreten, die den Stimmtrakt beeinträchtigen oder ob organische Veränderungen im Kehlkopf bestehen. Eine Stimmtherapie ist ab 4 Jahren möglich, wobei der Schwerpunkt bei jüngeren Kindern in der Zusammenarbeit zwischen LogopädIn und Eltern liegen kann. So kann in gemeinsamen Gesprächen herausgearbeitet werden, welche Faktoren sich in dem aktuellen Lebensumfeld dieses Kindes ungünstig auf die Stimme auswirken (z.B. ungünstige Stimmvorbilder, hohe Geräuschkulisse, Durchsetzen mit der Stimme als Kompensation "argumentativer Schwächen", etc. ) und welche Strategien zur Veränderung erfolgsversprechend sein könnten. Zeigt das Kind ausgeprägte ungünstige Atem- und Sprechtechniken und/oder ist es körperlich deutlich über- oder unterspannt, kann es angezeigt sein, in diesen Bereichen spielerisch mit ihm zu arbeiten.