Leistungen für Erwachsene

Für Erwachsene

Wir behandeln Erwachsene in den Bereichen Sprache, Sprechen, Stimme und Schlucken bei:

  • Störungen aufgrund neurologischer Erkrankungen nach Schlaganfall, Schädel-Hirntrauma, Tumor und degenerativen Erkrankungen, z.B. Morbus Parkinson, MS, ALS
  • Funktionelle und organische Stimmstörungen
  • Hörstörungen


Funktionsstörungen bei Erwachsenen:

Definition:
Eine Aphasie ist eine Sprachstörung, die nach Abschluss des Spracherwerbs durch eine Schädigung des Gehirns auftritt. Schlaganfälle und Hirnblutungen sind die Hauptursache von Aphasien. Daneben können auch Hirntumore oder Schädel-Hirn-Traumata zu Aphasien führen.

Typische Symptome von Aphasien:
a) Einschränkungen des Sprachverständnisses bei intaktem Gehör und normaler Intelligenz; der Patient versteht nicht alles, in der Kommunikation kann es zu Missverständnissen kommen
b) Wortfindungsstörungen: Der Patient weiß, was er sagen will, kann aber die dazu notwendigen Wörter nicht finden. Dadurch entstehen Satzabbrüche und Blockaden. Es werden auch Abweichungen vom Zielwort produziert, die die lautliche Struktur oder den Inhalt betreffen. Die Nähe dieser Fehlbenennungen zum eigentlich gemeinten Wort kann dabei sehr stark variieren. So kann eine erkennbare Ähnlichkeit vorhanden sein (gegangen – "gamen", Waage – "Gewicht"), es ist aber auch möglich, dass der Sinn des Gesagten für den Gesprächspartner nicht erkennbar ist. In manchen Fällen produzieren die Patienten auch Wortneuschöpfungen (Neologismen), z.B. statt Bagger "Oberfelsbegraber" oder statt Staubsauger "Dauerbesen".
c) Grammatikstörungen: Die Patienten sprechen in stark vereinfachten Sätzen, die nur die wichtigsten Inhaltswörter beinhalten (z.B. "Umgefallen … Krankenhaus … 3,4,5 Wochen, Monate") oder aber auch in überlangen, oft inhaltsleeren Sätzen, die durch viele Satzabbrüche und –verschränkungen geprägt sind.
d) Störungen der Schriftsprache (Alexie, Agraphie): Das Lesen und Schreiben kann in unterschiedlichen Ausmaß unabhängig von Sehstörungen und / oder Lähmungen gestört sein. Teils können Texte nicht mehr verstanden werden, es kann aber auch eine so schwere Störung auftreten, dass schon einzelne Wörter nicht gelesen werden können.
e) Automatisierte Sprache: Bei der schwersten Aphasieform (Globale Aphasie) kann es zu automatisierten Sprachäußerungen kommen. Die betroffenen Patienten produzieren sinnlose Silben- oder Wortfolgen (z.B. "meine Güte, meine Güte …"; "dododo…"), ohne Einfluss auf ihre Sprachäußerung nehmen zu können.

Vier Syndrome:
Weil bei Schlaganfällen z.B. durch den Verschluss von Blutgefäßen bestimmte Hirnareale betroffen sind, können diese Aphasien in folgende vier Syndrome (= Störungsbilder mit ähnlichen charakteristischen Symptomen) eingeteilt werden. Jedes Syndrom ist durch unterschiedliche Schweregrade charakterisiert.

1. Globale Aphasie:
Hier handelt es sich um die schwerste Aphasieform, bei der alle sprachlichen Modalitäten (Sprechen, Verstehen, Lesen, Schreiben) betroffen sind. Der Sprachfluss ist stockend und wird mit erheblicher Sprechanstrengung hervorgebracht. Die Aussprache ist häufig stark beeinträchtigt (siehe Dysarthrophonie), es herrschen Sprachautomatismen und Stereotypien vor, so dass eine sprachliche Kommunikation nahezu unmöglich ist.

2. Broca-Aphasie:
Patienten mit Broca-Aphasien sprechen meist stockend, in unvollständigen Sätzen, mit vielen Lautverwechselungen bei langsamer, herabgesetzter und monotoner Aussprache. Die grammatikalische Struktur der Sätze ist sehr vereinfacht und reduziert ("Laden gehen … Einkaufen."). Auch bei dieser Aphasieform ist eine große Sprechanstrengung zu beobachten. Das Sprachverständnis kann teilweise recht gut erhalten sein. Die Kommunikationsfähigkeit ist häufig stark eingeschränkt.

3. Wernicke-Aphasie:
Bei diesem Aphasiesyndrom ist die Aussprache oft gut erhalten. Die Patienten sprechen flüssig und mit guter Sprechmelodie. Die Rede ist aber inhaltsarm, weil die wichtigsten Inhaltswörter oft fehlen (Wortfindungsstörung). Deshalb gelingt es den Patienten oft nicht, den jeweiligen Gedanken sprachlich eindeutig mitzuteilen. Die stark überschießende Sprachproduktion ist geprägt durch lautlich stark veränderte und/oder inhaltlich abweichende Wortbildungen (Paraphasien) oder Neuschöpfungen (Neologismen). Oft kann der Patient die überschießende Sprachproduktion nicht eigenständig stoppen. Dadurch ist auch der Input und in der Folge das Sprachverständnis stark eingeschränkt.

4. Amnestische Aphasie:
Bei leichtgradigen Schlaganfällen oder der Rückbildung einer Wernicke-Aphasie treten abweichende Wortbildungen (Paraphasien) seltener auf. Die Grammatik und der Satzbau sind nicht so stark betroffen. Der Patient produziert inhaltsleere Redefloskeln aufgrund bestehender Wortfindungsstörungen. Die Paraphasien weichen nur wenig vom Zielwort ab, das Sprachverständnis ist geringfügig gestört. Es ist eine gute Kommunikationsfähigkeit gegeben.


Trotz dieser Aufteilung sind die konkreten aphasischen Störungen sehr individuell ausgeprägt, so dass die Therapie genau auf den jeweiligen Patienten abgestimmt sein muss.
Die beschriebene Syndromklassifikation kann man nicht auf Aphasien bei Gehirntumoren oder Schädel-Hirn-Traumen übertragen, weil bei diesen Gehirnläsionen in der Regel keine fest umschriebenen Areale betroffen sind.

Eine Aphasie betrifft aufgrund der z.T. stark eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit der Patienten nicht nur diese selbst, sondern auch deren Angehörige und Freunde. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, das Umfeld in die Behandlung einzubeziehen und Hilfestellungen für den Alltag zu geben.

Wir möchten auch auf unsere Links hinweisen, in denen Sie Adressen von Selbsthilfegruppen finden können.

Definition:
Eine Dysarthrie ist eine Funktionsstörung der Sprechmuskulatur, die durch eine Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems ausgelöst werden kann.

Die Sprechbewegungen erfolgen langsam, schwach, unkoordiniert, zittrig und die Spannung der Artikulationsmuskulatur ist verändert. Es können auch Stimmgebung (Phonation) und Sprechatmung betroffen sein (Dysarthrophonie).


Dysarthrien können nach Schlaganfällen auftreten. Auch Tumoren, Schädel-Hirn-Traumen, Lähmungen der Gesichtsnerven oder degenerative Erkrankungen wie z.B. Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Amyotrophische Lateralsklerose (ALS) können ursächlich sein.

Häufig auftretende Dysarthrieformen:
Es sind folgende Dysarthrieformen je nach zugrundeliegender Hirnläsion zu beobachten:

1. schlaffe Dysathrie:
Die Artikulation ist aufgrund der herabgesetzten Muskelspannung schwach und undeutlich.

2. spastische Dysarthrie:
Stark überhöhte Spannungszustände führen zu einer eingeschränkten Beweglichkeit der Artikulationsmuskulatur.

3. rigide Dysarthrie:
Die Muskulatur ist starr und wenig beweglich, wodurch die Aussprache behindert ist.

4. hyperkinetische Dysarthrie:
Die Aussprache ist durch Muskelzuckungen und unwillkürliche Bewegungen stark eingeschränkt.

5. ataktische Dysarthrie:
Durch ungeordnete und unkoordinierte Muskelbewegungen wird das Sprechen deutlich erschwert.


Therapie:
Je nach Störungsbild, –ausmaß und Schweregrad wird in der Therapie individuell die Artikulation, die Sprech- und Ruheatmung, die Stimmgebung, die Betonung und der Sprechrhythmus behandelt.

Dysphagien sind Beeinträchtigungen des Schluckvorganges und/oder der oralen Nahrungsaufnahme. Sie kommen durch Veränderungen im Mund- und/oder Halsbereich (z.B. Tumoren, Operationen) oder neurologische Erkrankungen (Schlaganfall, Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumor, degenerative Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems etc.) zustande.

Häufig ist eine Dysphagie für den Betroffenen und sein Umfeld nicht nur ein Problem einer eingeschränkten Funktion, sondern auch eine soziale Problematik. Einerseits gehört das gemeinsame Essen zum familiären Alltag. Andererseits wird die Nahrungsaufnahme oft als eine Grundfunktion angesehen, "die man kann".
Eine Störung dieser elementaren Fähigkeit ist für alle Beteiligten oft nur schwer nachzuvollziehen.

Deshalb ist es uns sehr wichtig, unsere Patienten und ihre Angehörigen intensiv über die Störung aufzuklären und zum Umgang mit den erheblichen Gefahren (Lungenentzündung, Erstickung) zu beraten. Neben der Verbesserung der zum Schlucken notwendigen Einzelfunktionen können auch kompensatorische Techniken und/oder eine Versorgung mit Hilfsmitteln Inhalt der Behandlung sein.

Definition:
Eine Sprechapraxie ist eine Sprechstörung, bei der die Fähigkeit beeinträchtigt ist, Sprechbewegungen zu planen und koordiniert auszuführen. Eine Beeinträchtigung der für die Artikulation benötigten Muskulatur liegt bei dieser Störung nicht vor.

Symptome:
Die betroffenen Menschen sind nicht oder nur eingeschränkt in der Lage, die für ein Wort notwendigen Sprechbewegungen automatisiert, also ohne darüber nachdenken zu müssen, zu produzieren. Sie wissen, welche Wörter sie aussprechen wollen, können jedoch die Artikulationsmuster nicht abrufen und umsetzen. Dadurch kommt es zu lautlichen Entstellungen und artikulatorischen Suchbewegungen, wodurch z.T. Laute produziert werden, die in der Muttersprache des Patienten nicht vorkommen.

Therapie:
Ziel der Behandlung ist die Verbesserung der automatisierten Sprechbewegungen, die in der Regel durch das Trainieren einzelner Bewegungsabläufe nur partiell erreicht werden kann.

Die betroffenen Patienten leiden häufig sehr stark unter dieser Störung und bauen bei den Sprechversuchen kompensatorisch eine hohe Körperspannung auf.

Symptomatik:
Eine Stimmstörung besteht, wenn die Stimme in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist und eine Veränderung des Stimmklangs vorliegt. Die Symptomatik reicht von erhöhter Sprechanstrengung, schneller Ermüdbarkeit, Veränderung des Stimmklanges bis hin zu vollständiger Tonlosigkeit. Mit Parametern wie z.B. heiser, rau, behaucht, gepresst, zu hoch/tief, zu leise/laut, dünn/voll etc. lässt sich der Stimmklang beschreiben.
Formen und Ursachen

a) Funktionelle Stimmstörungen
Sie entstehen durch unökonomischen Gebrauch der Stimme über einen längeren Zeitraum. Häufig betroffen sind Menschen mit hoher Sprechbelastung aber auch psychische Faktoren wie Stress können eine Dysphonie begünstigen
- Hyperfunktionelle Dysphonie: es herrscht ein Zuviel an Muskelspannung der Kehlkopf,- Hals- u. Atemmuskulatur. Der Stimmklang ist eher überladen und gepresst.
- Hypofunktionelle Dysphonie: es liegt eine Unterspannung der beteiligten Muskeln vor. Der Stimmklang ist tendenziell leise und verhaucht. Sie kann anlagebedingt aber auch als Sekundärsymptomatik i.S. einer Ermüdungserscheinung bei vorher bestehender Hyperfunktion auftreten.

b) Organische Stimmstörungen
- Lähmungen der Kehlkopfnerven (u.a. "Recurrensparese") in Folge von Operationen
Es tritt ein akuter Stimmverlust auf. Falls keine dauerhafte Schädigung des Nervs vorliegt, kommt es öfters zu einer Reinnervierung, d.h. die Stimmlippen gewinnen ihre Funktionsfähigkeit (teilweise) wieder. Eine schnelle therapeutische Intervention ist erforderlich.
- Veränderung des Gewebes der Stimmbänder bzw. der Kehlkopfstruktur aufgrund von Tumoren

Therapie:
Die Therapieinhalte orientieren sich an der Ursache der Störung. Da die stimmliche Funktionsfähigkeit von einer Vielzahl an Faktoren wesentlich beeinflusst wird, beinhaltet eine Stimmtherapie folgende mögliche Punkte:
a) Arbeit an der Eigenwahrnehmung
b) Erarbeitung einer aufgerichteten Körperhaltung im Sitzen und Stehen
c) Erarbeitung einer physiologischen Atmung, sowie Aufbau der "Reflektorischen
Atemergänzung" (Abspannen) als Sprechatmung sowie Anpassung des Sprechens an den
individuellen Atemrhythmus
d) Verbesserung der Tragfähigkeit der Stimme durch bewusste Ausnutzung der
Resonanzräume
e) Übungen zu Stimmein- bzw. -absatz
f) Artikulationstraining
g) Verbesserung prosodischer Fähigkeiten wie Tempo, Pausen, Melodie
h) Aufklärung über Stimmhygiene und Erarbeitung von Sprecherstrategien
Bei der Stimmtherapie durchläuft der Patient einen Veränderungsprozess der aktiv gestaltet wird durch einen sukzessiven Abbau ungünstiger stimmlicher Verhaltensweisen und der Ersetzung durch einen physiologischen Stimmgebrauch.